Als ich zum ersten Mal die Worte Jesu im Matthäusevangelium las, muss ich zugeben, dass sie mich innehalten ließen. „Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nimmt sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Matthäus 16,24). Es gibt etwas an diesem Vers, das durch all den Lärm des modernen Lebens, all die Ablenkungen und das bequeme Christsein, mit dem wir uns manchmal zufriedengeben, hindurchschneiden und uns vor eine Frage stellt, die wir nicht ignorieren können. Möchte ich Jesus wirklich nachfolgen? Und wenn ja, bin ich bereit, das anzunehmen? Was bedeutet das wirklich?
Ich habe viele Jahre damit verbracht, mit Christus zu gehen, und ich kann dir ehrlich sagen, dass dieser Ruf zur Jüngerschaft nichts ist, was wir auf die leichte Schulter nehmen können. Es ist keine beiläufige Einladung, Jesus zu unserem Leben hinzuzufügen, als wäre er nur ein weiterer Punkt auf einer langen Liste von Dingen, die wir erledigen müssen. Nein, dieser Ruf ist radikal, er ist umfassend, und er verändert alles. Wenn Jesus sagt, dass wir uns selbst verleugnen sollen, unser Kreuz auf uns nehmen und ihm nachfolgen sollen, dann fordert er uns auf, unser gesamtes Leben in seine Hände zu legen und ihm bedingungslos zu vertrauen. Das ist keine kleine Sache, und doch ist es genau das, wozu wir als seine Jünger berufen sind.

Ich denke oft darüber nach, was es bedeutet, sich selbst zu verleugnen. Wir leben in einer Welt, die uns ständig sagt, dass wir uns selbst an die erste Stelle setzen sollen. Überall wird uns eingeflüstert, dass wir unsere eigenen Träume verfolgen müssen, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse erfüllen müssen, dass wir unseren eigenen Weg gehen müssen, ohne Rücksicht auf andere oder auf Gott. Selbstverwirklichung ist das Mantra unserer Zeit geworden, und die Idee, dass ich mich selbst verleugnen sollte, klingt in den Ohren vieler Menschen wie etwas völlig Absurdes. Warum sollte ich meine eigenen Wünsche zurückstellen? Warum sollte ich auf meine eigenen Pläne verzichten? Ist das nicht eine Form von Selbstaufgabe, die mich klein macht und mein Leben weniger wertvoll erscheinen lässt?
Aber je länger ich über die Worte Jesu nachdenke, desto mehr erkenne ich, dass Selbstverleugnung nicht bedeutet, dass ich mich selbst hasse oder dass ich mein Leben für unwichtig halte. Ganz im Gegenteil. Jesus ruft uns auf, uns selbst zu verleugnen, weil er weiß, dass ein Leben, das nur um mich selbst kreist, am Ende zu Leere und Enttäuschung führt. Wenn ich ständig nur meine eigenen Bedürfnisse befriedige, meine eigenen Ziele verfolge und meine eigenen Wünsche erfülle, dann werde ich niemals die tiefe Freude und Erfüllung finden, nach der sich mein Herz sehnt. Der Mensch wurde nicht geschaffen, um in sich selbst das Zentrum des Universums zu sehen. Wir wurden geschaffen, um in Beziehung zu Gott zu leben, um ihn anzubeten, um seinen Willen zu tun und um in seiner Liebe zu ruhen. Wenn ich mich selbst zum Mittelpunkt meines Lebens mache, beraube ich mich der Quelle wahren Lebens.
Jesus sagt in Matthäus 16,25: „Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.“ Das ist einer der größten scheinbaren Gegensätze des christlichen Glaubens – und doch ist es zutiefst wahr. Wenn ich versuche, mein Leben festzuhalten, wenn ich mich weigere, loslasse und Gott zutraue, dann werde ich am Ende feststellen, dass mir das Leben durch die Finger gleitet. Aber wenn ich bereit bin, mein Leben hinzugeben, mich selbst zu verleugnen und Jesus an die erste Stelle zu setzen, dann werde ich das wahre Leben finden; das Leben in seiner ganzen Fülle. Ich habe das in meinem eigenen Leben immer wieder erlebt. Jedes Mal, wenn ich versucht habe, die Kontrolle zu behalten und meine eigenen Pläne durchzusetzen, bin ich gescheitert oder zumindest unzufrieden geblieben. Aber jedes Mal, wenn ich bereit war, loszulassen und Gott zu vertrauen, hat er mich auf Wege geführt, die ich mir nie hätte vorstellen können, und er hat mir eine Freude gegeben, die ich mir nie hätte verdienen können.

Sich selbst zu verleugnen bedeutet auch nicht, dass ich mein Leben für wertlos halte. Es bedeutet, dass ich erkenne, dass mein Leben seinen wahren Wert und seine wahre Bestimmung nur in Christus findet. Es bedeutet, dass ich bereit bin, meinen eigenen Willen dem Willen Gottes unterzuordnen, weil ich darauf vertraue, dass sein Weg besser als meiner ist. Jesus selbst hat uns das Vorbild dafür gegeben, als er im Garten Gethsemane betete: „Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst“ (Matthäus 26,39). Jesus wusste, was es bedeutet, sich selbst zu verleugnen, und er hat es für uns getan. Und nun ruft er uns auf, seinem Beispiel zu folgen.
Aber Jesus bleibt nicht bei der Selbstverleugnung stehen. Er geht noch weiter und fordert uns auf, unser Kreuz auf uns zu nehmen. Wenn ich an das Kreuz denke, dann denke ich an Leiden, an Schmerz, an Opfer. Zur Zeit Jesu war das Kreuz ein Instrument der Hinrichtung, ein Symbol der Schande und der völligen Erniedrigung. Wenn jemand sein Kreuz trug, dann war das ein Zeichen dafür, dass er zum Tode verurteilt war, dass er von der Gesellschaft verstoßen wurde, dass er keine Hoffnung mehr hatte. Und doch sagt Jesus, dass wir unser Kreuz auf uns nehmen sollen, wenn wir ihm nachfolgen wollen. Was meint er damit?
Ich glaube, dass Jesus uns damit sagen will, dass die Nachfolge nicht immer einfach oder bequem sein wird. Es wird Zeiten geben, in denen wir Widerstand erfahren, in denen wir abgelehnt werden, in denen wir leiden müssen. Es wird Zeiten geben, in denen wir für unseren Glauben einen Preis zahlen müssen, sei es in Form von Spott, Verlust, Einsamkeit oder Verfolgung. Das Kreuz zu tragen bedeutet, bereit zu sein, diese Schwierigkeiten anzunehmen und trotzdem weiterzugehen, weil wir wissen, dass Jesus bei uns ist und dass sein Weg letztendlich zum Leben führt. Es bedeutet auch, dass wir bereit sind, Dinge loszulassen, die uns von Gott trennen, seien es Sünden, schlechte Gewohnheiten, falsche Prioritäten oder die Liebe zur Welt.
Mein Kreuz aufnehmen kann bedeuten, dass ich eine bequeme Sünde aufgeben muss, dass ich eine Beziehung beenden muss, die mich von Gott wegzieht, oder dass ich bereit sein muss, finanzielle Sicherheit oder gesellschaftliche Anerkennung zu verlieren, weil ich Jesus treu bleiben will.

Ich erinnere mich an Zeiten in meinem eigenen Leben, in denen ich mein Kreuz tragen musste. Es gab Momente, in denen ich für meinen Glauben verspottet wurde, in denen ich missverstanden wurde, in denen ich einsam war, weil ich mich entschieden hatte, Jesus nachzufolgen, anstatt der Menge zu folgen. Es gab Zeiten, in denen ich Dinge aufgeben musste, die mir lieb und teuer waren, weil ich wusste, dass sie mich von Gott trennten. Es gab Zeiten, in denen ich durch dunkle Täler gehen musste, in denen ich nicht verstand, was Gott tat, und in denen ich mich fragte, ob es das alles wirklich wert war. Aber ich kann dir aus tiefstem Herzen sagen, dass es das wert war. Jedes Mal, wenn ich bereit war, mein Kreuz auf mich zu nehmen und Jesus nachzufolgen, hat er mich getragen. Jedes Mal, wenn ich dachte, ich könnte nicht weitergehen, hat er mir die Kraft gegeben, einen weiteren Schritt zu tun. Und jedes Mal, wenn ich durch das Leiden hindurchgegangen bin, habe ich auf der anderen Seite seine Treue, seine Liebe und seine Gnade auf eine Weise erfahren, die ich nie vergessen werde.
Das Kreuz ist nicht nur ein Symbol des Leidens, sondern auch ein Symbol der Hoffnung. Denn das Kreuz, an dem Jesus starb, war nicht das Ende der Geschichte, sondern der Anfang einer neuen Schöpfung. Durch das Kreuz hat Jesus die Macht der Sünde und des Todes gebrochen, und durch seine Auferstehung hat er uns neues Leben geschenkt. Wenn wir unser Kreuz tragen, dann tragen wir es nicht allein, und wir tragen es nicht ohne Hoffnung. Wir tragen es in der Gewissheit, dass Jesus bereits den Sieg errungen hat und dass wir durch ihn ebenfalls überwunden werden. Paulus schreibt in Römer 8,18: „Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ Das ist die Hoffnung, die uns trägt, wenn wir unser Kreuz tragen.
Und dann kommt der dritte Teil des Aufrufs Jesu: „Folge mir nach.“ Das ist die Einladung, die alles Sinn gibt. Sich selbst zu verleugnen und das Kreuz auf sich zu nehmen wäre sinnlos, wenn es nicht darum ginge, Jesus nachzufolgen. Nachfolge bedeutet, dass wir nicht allein gehen. Es bedeutet, dass Jesus vorangeht und dass wir in seinen Fußstapfen wandeln. Es bedeutet, dass wir eine lebendige Beziehung zu ihm haben, dass wir sein Wort hören, dass wir seine Nähe suchen und dass wir ihm jeden Tag vertrauen. Nachfolge ist keine einmalige Entscheidung, die wir irgendwann treffen und dann wieder vergessen. Es ist eine tägliche Entscheidung, jeden Morgen aufzuwachen und zu sagen: „Heute werde ich Jesus folgen. Heute werde ich ihm vertrauen. Heute werde ich ihm gehorchen, egal was kommt.“
Ich habe gelernt, dass die Nachfolge Jesu ein Abenteuer ist. Es ist nicht immer einfach, aber es ist nie langweilig. Es führt mich an Orte, an die ich nie gedacht hätte, und es bringt mich in Situationen, in denen ich völlig abhängig von Gottes Gnade bin. Aber genau das ist es, was die Nachfolge so schön macht. Wenn ich Jesus folge, dann erfahre ich immer wieder neu, wer er ist. Ich lerne seine Treue kennen, seine Geduld, seine Barmherzigkeit, seine Weisheit und seine unendliche Liebe. Ich lerne, dass er mich besser kennt als ich mich selbst kenne, und dass er Pläne für mich hat, die weit über alles gehen, was ich mir vorstellen könnte. „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.”(Jeremia 29,11).

Jesus zu folgen bedeutet auch, dass ich in die Gemeinschaft mit ihm hineingezogen werde. Er wird nicht nur mein Lehrer oder mein Vorbild, sondern mein Freund, mein Bruder, mein Erlöser und mein Herr. Er ist bei mir, wenn ich aufwache und wenn ich zu Bett gehe. Er ist bei mir in den schönen Momenten des Lebens und in den schwierigen Zeiten. Er ist bei mir, wenn ich lache und wenn ich weine. Und er verspricht mir, dass er mich niemals verlassen wird. „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20). Das ist die Verheißung, die mich trägt, wenn ich Jesus nachfolge.
Ich muss zugeben, dass die Nachfolge nicht immer leicht ist. Es gibt Tage, an denen ich müde bin, an denen ich zweifle, an denen ich mich frage, ob ich stark genug bin, um weiterzugehen. Es gibt Momente, in denen ich stolpere, in denen ich versage, in denen ich mich von Gott entferne. Aber selbst in diesen Momenten bleibt Jesus treu. Er richtet mich wieder auf, er vergibt mir, er ermutigt mich und er gibt mir die Kraft, weiterzugehen. Die Nachfolge Jesu ist kein Weg der Perfektion, sondern ein Weg der Gnade. Es geht nicht darum, dass ich alles richtig mache, sondern darum, dass ich jeden Tag wieder zu Jesus komme und ihm mein Leben anvertraue.
Wenn ich über mein Leben nachdenke, dann erkenne ich, dass die Entscheidung, Jesus nachzufolgen, die beste Entscheidung war, die ich je getroffen habe. Sie hat mein Leben komplett verändert. Sie hat mir eine Hoffnung gegeben, die niemals enttäuscht wird. Sie hat mir eine Freude gegeben, die unabhängig von meinen Umständen ist. Sie hat mir eine Liebe geschenkt, die stärker ist als der Tod. Und sie hat mir einen Sinn gegeben, der weit über mein eigenes kleines Leben hinausgeht.
Ich lebe nicht mehr für mich selbst, sondern für den, der für mich gestorben und auferstanden ist. Und das ist die größte Freiheit, die ich mir vorstellen kann.
Jesus sagt in Johannes 8,36: „Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.“ Das ist die Verheißung der Nachfolge. In Christus finden wir wahre Freiheit, nicht die Freiheit, zu tun, was wir wollen, sondern die Freiheit, das zu tun, wozu wir geschaffen wurden. Wir sind frei von der Macht der Sünde, frei von der Angst vor dem Tod, frei von der Last, uns selbst rechtfertigen zu müssen. Wir sind frei, Gott zu lieben, frei, andere zu lieben, frei, das Leben in seiner ganzen Fülle zu erfahren. Das ist das Leben, zu dem Jesus uns ruft, wenn er sagt: „Folge mir nach.“
Mein Gebet für jeden, der diese Worte liest, ist, dass du den Ruf Jesu hörst. Vielleicht hörst du ihn zum ersten Mal, oder vielleicht hörst du ihn wieder neu, nachdem du dich eine Zeit lang von ihm entfernt hast. Jesus ruft dich heute, ihm nachzufolgen. Er ruft dich, dich selbst zu verleugnen, dein Kreuz auf dich zu nehmen und ihm zu vertrauen. Er verspricht dir nicht, dass der Weg immer einfach sein wird, aber er verspricht dir, dass er bei dir sein wird, jeden Schritt des Weges. Er verspricht dir, dass du in ihm wahres Leben, wahre Freude und wahre Freiheit finden wirst. Und er verspricht dir, dass am Ende des Weges die Herrlichkeit auf dich wartet, eine Herrlichkeit, die alle Leiden dieser Zeit bei weitem übertrifft.
Jesus sagt in Johannes 14,6: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Das ist die zentrale Botschaft des Evangeliums. Jesus ist der Weg, und wenn wir ihm folgen, dann finden wir nicht nur den Weg zum Vater, sondern wir finden auch den Weg zu unserem wahren Selbst, zu unserem wahren Ziel und zu unserer wahren Bestimmung.
Möge Gott dir die Kraft geben, diesen Weg zu gehen, und möge er dich mit seiner Gegenwart, seiner Liebe und seiner Gnade erfüllen, während du Jesus nachfolgst.
In Christus verbunden,
Knecht Jesu Christi!
